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Ausstellung „NS-Justiz in Freiburg“ im Amtsgericht

Datum: 07.01.2021

Kurzbeschreibung: Ausstellung

Seit Anfang Dezember hängen im Flur des ersten Obergeschosses des Amtsgerichts Freiburg 13 Ausstellungstafeln, die die Justiz in Freiburg zur NS-Zeit beleuchten.

Im heutigen Gebäude des Amtsgerichts Freiburg am Holzmarkt 2 haben drei spezielle NS-Gerichte Sitzungen abgehalten: Das Sondergericht, das Reichskriegsgericht und der Volksgerichtshof. Entsprechendes ist bei keinem anderen Gerichtsstandort in Baden- Württemberg belegt. Erstmals wird durch dieses Ausstellungsprojekt die überraschende, in der Stadtgeschichte von Freiburg bislang nicht bekannte Tatsache dokumentiert: Der berüchtigte Volksgerichtshof saß auch in Freiburg zu Gericht.

Nach einer einführenden Übersicht gliedert sich die Ausstellung in drei Teile: Fünf Tafeln sind dem Sondergericht Freiburg gewidmet, das mit seinen über 1.000 Verfahren den Schwerpunkt der NS-Justiz in Freiburg bildete. Auf den 180 cm x 80 cm großen Tafeln sind neben erläuternden Texten zahlreiche Originaldokumente und Fotos abgebildet.

Drei Tafeln thematisieren die Rechtsprechung des Reichskriegsgerichts in Freiburg. Dabei wird insbesondere hervorgehoben, dass in Freiburg ausschließlich Verfahren gegen Mitglieder der bedeutenden französischen Widerstandsorganisation "Réseau Alliance" verhandelt wurden. Die überwiegend führenden Mitglieder dieser Résistance- Organisation wurden im Rahmen sog. „Nacht- und Nebel“-Verfahren als Häftlinge nach Freiburg verschleppt und verurteilt.

Dem Volksgerichtshof sind ebenfalls drei Ausstellungtafeln gewidmet. Zu Opfern des Volksgerichtshofs wurden etwa kommunistische Regimegegner und zahlreiche Elsässer.

Mit dem problematischen Thema "Der Umgang mit der NS-Justiz nach 1945" befasst sich die abschließende Ausstellungstafel. Es werden aufhebende gerichtliche Entscheidungen und gesetzliche Regelungen dargestellt.

Die Ausstellung wurde vom früheren Präsidenten des Amtsgerichts Dr. Thomas Kummle initiiert, der seit 1. Juli 2020 im Ruhestand ist. Er leitete auch das in Zusammenarbeit mit dem Historiker Dr. Michael P. Hensle und dem Staatsanwalt Dr. Dominik Stahl erstellte Projekt.

Dr. Kummle erhofft sich, dass die Ausstellung ein Ort der Information und der Reflexion sowie ein Ort des Gedenkens an die Opfer der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz sein möge. „Insbesondere bei Gerichtsbesuchen von Schulklassen bietet diese Ausstellung eine wichtige Ergänzung. Das Projekt kann und soll auch dazu beitragen, die zentrale Bedeutung des Rechtsstaats und einer unabhängigen Justiz im Besonderen hervorzuheben, wofür gerade in der heutigen Zeit Anlass besteht.“

Leider ist aufgrund der Pandemie-Beschränkungen weder eine Eröffnungsveranstaltung möglich noch können derzeit Führungen angeboten werden. Die beigefügten zwei Fotos gewähren einen Blick in den Flur der Ausstellung „NS-Justiz in Freiburg“.

Lars Petersen
Pressesprecher

Einführungstafel - Ausstellung „NS-Justiz in Freiburg“

Flur - Ausstellung „NS-Justiz in Freiburg“

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